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Themenreisen: „Der Köder muss dem Fisch schmecken, nicht dem Angler“

Die traditionelle Branchen-Auftaktveranstaltung „Tag der Bustouristik“ präsentierte sich – dieses Jahr bereits in seiner 36. Auflage – am 08. Januar mit einem aufgefrischten Tagungsformat in Saarbrücken.

Kurze, informative sowie praxisorientierte Vorträge aus den unterschiedlichen Bereichen der Bus- und Gruppentouristik plus die Möglichkeit der Tagungsteilnehmer, bei Bedarf, die Vorträge unterbrechen zu können, um beispielsweise Lob, Kritik oder Anmerkungen loszuwerden, wurde gut angenommen.

Die Teilnehmer bekundeten ihr Interesse an der Veranstaltung durch rege Teilnahme. Zudem war die Branchenveranstaltung bis zum Schluss gut besucht. Eines der zentralen Themen beim Tag der Bustouristik war zweifelsohne die gewerbesteuerliche Hinzurechnung des Hoteleinkaufs, also die sogenannte „Urlaubssteuer“, um es mit den Worten von Benedikt Esser, RDA-Präsident, auszudrücken. Esser hat sich auf die Fahne geschrieben mit allen Mitteln gegen diese existenzbedrohende Entwicklung in der Touristikbranche vorzugehen. Eine Phalanx von touristischen Verbänden existiert seit Ende 2017. Mit der politischen Aufklärungskampagne „Nein zur Urlaubssteuer!“ wollen die Verbände (RDA, BTW, DRV, ASR und DTV) mit gezielten Maßnahmen auf die Urlaubssteuer aufmerksam machen und so Druck auf die neue Bundesregierung aufbauen. Doch einige Touristiker, sind der Meinung, so war es aus einigen Gesprächen, die der Bus Blickpunkt im Rahmen der Veranstaltung führte, rauszuhören, dass diese Aktion zu spät kommt. Andere wiederum sind optimistisch und schätzen die geschlossene Haltung der touristischen Verbände.

 

2018 01 09 Benedikt Esser

 

Was hat es mit der „Urlaubssteuer“ konkret auf sich? Seit der Gewerbesteuerreform werden angemietete Objekte wie Ladenflächen, Büros oder Produktionsflächen der Gewerbesteuer hinzugerechnet. Immer mehr Finanzdirektionen behandeln aber auch die vermittelten Hotelzimmerkontingente steuerlich wie eine angemietete Fabrikhalle in der Industrie. Der Einkauf von Hotelbbetten wird wie Anlagevermögen bewertet. Aus diesem Grund droht vielen Unternehmen bei der nächsten Betriebsprüfung eine Steuernachzahlung bis zurück ins Jahr 2008. „Das ist eine fatale Fehlinterpretation“, sagte Esser. Sie treibt nicht nur die Steuerlast deutlich in die Höhe. Sie verzerrt auch massiv den Wettbewerb, weil sie z.B. für Hotelvermittlungsplattformen wie HRS oder Reiseveranstalter mit Sitz im Ausland nicht gilt, selbst wenn sie im deutschen Markt tätig sind, so der RDA-Präsident weiter.

Esser zufolge seien in der Busbranche insgesamt 4.500 Arbeitsplätze gefährdet. Die Branche müsse mit einer Mehrbelastung von 230 Mio. Euro rechnen und 1,4 Mrd. Euro Steuernachforderungen würden fällig werden. Folglich rechnet die Branche mit Marktaustritten. Der Welt am Sonntag gegenüber sagte Esser, dass 400 Betriebe in der Bustouristik vom Markt verschwinden könnten.

Themenreisen im Fokus

 2018 01 09 Dieter Gauf

 

Das Motto des „Tag der Bustouristik“ war dieses Jahr „Themenreisen“. Die Vorträge der Experten aus der Bus- und Gruppentouristik beschäftigten sich mit der Frage „Themenreisen – eine Domäne der Bus- und Gruppentouristik?“ Die Antwort auf diese Frage war deutlich: Themenreisen sind eine Domäne der Bus- und Gruppentouristik – die Herangehensweise ist dabei entscheidend. Man müsse nur wissen, wie man Begeisterung in kaufmännischen Erfolg umwandelt“, sagte Dieter Gauf, Spiritus Rector des Tag der Bus Touristik und RDA-Hauptgeschäftsführer.“ Man stelle sich das Ganze vor wie ein Menü: Entscheidend ist die Auswahl der Zutaten, die Zubereitung und das zelebrierte Servieren, veranschaulichte Gauf.

 

2018 01 09 Uli Basteck

 

„Themenreisen können langfristig recherchiert, geplant und vermarktet werden“, lautete einer der fünf Thesen, die Ulrich Basteck, Geschäftsführer von Wörlitz Tourist in Berlin und RDA-Vizepräsident, aufgestellt hatte. Themenreisen seien so alt wie die Menschheitsgeschichte – mit Geschäftsreisen und Wellnessreisen stellen sie die Wurzeln des Tourismus dar, so Basteck weiter. Ob Philosophie, Geschichte, Musik, Architektur, Sport oder Kulinarik – Themenreisen seien keine Grenzen gesetzt. Letztlich komme es aber darauf an, wie man als Reiseveranstalter an diese Themen herangeht und wie man diese inhaltlich bespielt. Er selber z.B. bringt neben seinem Hauptkatalog Themenspezifische Broschüren oder Kataloge heraus. Wichtig an dieser Stelle sei vor allen Dingen auch, dass man Mitarbeiter hat, die sich in bestimmten Themen-Bereichen sehr gut auskennen. Themenreisen erfordern eine andere Kundenansprache. Bei der Durchführung einer solchen Reise kommt eine sehr große Bedeutung dem Reiseleiter und dem Busfahrer zu, „denn erst diese machen die Reise zu dem, was sie ist“, so Basteck.

 

2018 01 09 Roger Kopf

 

Der Schweizer Busunternehmer und Präsident von Car Tourisme Suisse, Roger Kopf, hat es in Kooperation mit einem befreundeten Unternehmen im vergangenen Jahr sogar geschafft, im Rahmen einer Musikreise insgesamt 1.200 Kunden mit 31 Bussen nach Dresden und dann nach Hamburg zu befördern. „Dahinter steckt eine Top Organisation, gute Fahrer und gute Reiseleiter“, verrät er. Logistisch gesehen sei es eine enorme Herausforderung gewesen. Aber er und sein Team hätten es geschafft so viele Menschen zu begeistern, so, dass es dieses Jahr mit 800 Leuten wieder nach Hamburg geht.

 

2018 01 09 Tina Behringer

 

Tina Behringer, Geschäftsführerin von Behringer Touristik und VPR-Präsidentin, brachte es mit den Worten „der Köder muss dem Fisch schmecken, nicht dem Angler!“ auf den Punkt, worauf es bei Themenreisen ankommt. Als Paketer sehe sie sich Impulsgeber, Lieferant und vor allem Partner der Bustouristik. Das Zauberwort im Hinblick auf Themenreisen heiße „Trend-Scouting“ – man müsse stets Trends im Blick haben und am Ball bleiben. „Themenreisen sollten so zusammengestellt sein, dass man die Nachfrage steigern kann“, betonte Tina Behringer. Dabei würden exklusive Inhalte und ein abwechslungsreiches Erlebnisangebot eine große Rolle spielen. Man könne beispielsweise mit großen Namen Nachfragen generieren, gemeinsames Kochen oder aber z. B. Treffen mit Künstlern nach einer Veranstaltung organisieren.

Besonders gut eigenen sich für Themenreisen Großveranstaltungen wie z.B. Bundesgartenschauen oder solche wie das Lutherjahr. Daraus können Bus- und Gruppenreiseveranstalter Nachfolgeschäfte generieren. Man hat nach so einem großen Event die Möglichkeit, die damit verbundene Destination mehrere Jahre hintereinander unter verschiedenen Schwerpunkten zu vermarkten, das bestätigte Ulrich Basteck nach der Wortmeldung eines Reiseveranstalters aus Herne.

Der nächste Tag der Bustouristik findet am 07. Januar 2019 in Halle (Saale) statt.

                                                                                                               

   

    2018 01 09 Birgit Grauvogel                       2018 01 09 Griebler und Rutz

 

            

    2018 01 09 Claudia Schwarz             2018 01 09 Blick in den Saal

 

 

                  

 

 

 

 

 

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